Christoph Merker - Kunst für das Leben
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Staubsaugerbeutel und kein Ende

Neulich hat mich meine Frau zum Einkaufen geschickt - Staubsaugerbeutel sollte ich besorgen. "Kein Problem", sagte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn. Damit ich auch die Passenden kaufte, hatte sie mir einen kleinen Zettel in die Hand gedrückt, den sie von der leeren Packung Staubsaugerbeutel vorher abgetrennt hatte. Auf diesem sind die Staubsaugerbeutelnummer aufgedruckt, um dem Staubsaugerbenutzer den Nachkauf der richtigen Beutel zu erleichtern. Denn verschiedene Modelle verlangen nach verschiedenen Beuteln- ganz klar. Es macht einen Unterschied, ob mein Staubsauger eher wie ein Schrubber aussieht, bei dem Motor und alles andere an der Stange, die man in der Hand hält, hängt oder ob alles in einem Kasten auf Rollen steckt, an dem rüsselartig der Saugschlauch mitsamt Saugkopf befestigt ist.
Als ich dann allerdings vor dem riesigen Regal mit Staubsaugerbeuteln stand, wurde mir klar, dass es neben den beiden Hauptarten hunderte von Unterarten an Staubsaugern geben musste. Bei den Beuteln herrschte eine Artenvielfalt, die höchstens noch von der bei den wirbellosen Einzellern zahlenmäßig überboten wurde. Tapfer nahm ich das kleine Zettelchen, prägte mir die Zahlen und Ziffernkombination ein und fing an, das Regal systematisch danach abzusuchen. Erfolglos. Also, alles noch mal von vorne. Ich kannte inzwischen alle Staubsaugerbeutel, die dort hingen persönlich, aber die, die in unseren Staubsauger passten, waren nicht zu finden.
Da nahm ich aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr. Eine Verkäuferin hatte sich unvorsichtigerweise mir genähert. Instinktiv ahnte sie wohl, dass hier ein Problem lauerte, und sie wollte sich gerade hinter den Waschmaschinen verdrücken, als ich sie freundlich, soweit ich in meiner etwas gereizten Stimmung dazu fähig war, um Auskunft bat.
"Welche Nummer suchen sie denn?", fragte sie mich und ich gab ihr den Zettel. Sie besah ihn sich lange, für mein Gefühl zu lange, und es sollte sich zeigen, dass ich mich nicht getäuscht hatte. Sie lächelte mich an, wie man wohl demente Patienten nachsichtig anlächelte, und meinte: "Diese Staubsaugerbeutelfirma führen wir nicht. Unsere Marke ist nach anderen Nummern geordnet." Verständnislosigkeit machte sich bei mir breit. Da haben wir europaweit eine einheitliche Währung, von globalen Marken ist die Rede, nur Staubsaugerbeutel werden regional unterschiedlich nummeriert.
Mein linkes Augenlied begann zu Zucken, was kein gutes Zeichen ist. "Wie bekomme ich nun die richtige Nummer heraus", presste ich zwischen den Zähnen hervor. Die Verkäuferin hatte sichtlich einen Spezialkursus absolviert: Staubsaugerbeutel und Problemkunden. Denn anscheinend war ich nicht der Erste, der kurz davor war, jeden Beutel einzeln aus diesem Regal zu reißen. Ihr Tonfall wurde defensiv, und ich bemerkte, wie sich langsam ein Ring aus Verkäufern unmerklich um mich zog. Wahrscheinlich hatten sie eine Beruhigungsspritze für Kunden wie mich, die kurz vor dem Platzen waren, für diesen Fall hinter der Theke liegen. Sollte ich das Schreien anfangen, würde ich ruhiggestellt und unauffällig hinausgetragen, um die anderen Kunden nicht zu irritieren.
"Was haben sie denn für einen Staubsauger?", fragte mich die Verkäuferin und brachte ein Regal mit Toastern strategisch zwischen mich und sich. "Er ist grün", antwortet ich resigniert, mehr wusste ich nicht über ihn. "So, so", antwortete sie weise und überließ es mir, über die Unsinnigkeit meiner Antwort nachzudenken. Doch im Zeitalter der unbegrenzten Kommunikation ist ja alles kein Problem. Ein kurzer Anruf daheim brachte mir die nötigen Informationen. Die Verkäuferin fing an in einer Liste zu suchen. Bei jedem "Hm, hm", das sie von sich gab, wurde ich unruhiger. "Ein Auslaufmodell", meinte sie schließlich. O Himmel, O Welt, fahret hin. Geschlagen bin ich und ziehe von dannen. Doch die Hoffnung geht als Letztes.
"Vielleicht gibt es ja ein vergleichbares Modell", zeigte die Verkäuferin einen Silberstreifen am Horizont auf. "Dazu bräuchten wir allerdings die Motorblocknummer vom Staubsauger." Lange Rede, kurzer Sinn, meine Frau nahm daheim geschickt den Staubsauger auseinander, las die unten eingravierte Nummer ab und gab sie mir telefonisch durch. Was sie noch durchgab, kann ich hier nicht wiederholen, sonst weiß jeder, dass meine Frau mich für zu blöde hält, Staubsaugerbeutel zu kaufen. Schließlich überreichte mir die Verkäuferin, als sei es der Oscar, die gewünschten Beutel. Fast hätte ich sie zum Dank geküsst. Beim Verlassen des Ladens sah ich, wie ein Mann etwas ratlos vor den Staubsaugerbeuteln stand, mit einem kleinen Zettel in der Hand. Tja, es gibt eben Erfahrungen, die muss jeder Mann selber machen.

CGM