Christoph Merker - Kunst für das Leben
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Eine Predigt eigener Art

Bischofswiesen- Das Gemeindezentrum Schöpfungskirche hat neue Paramente bekommen. Der Kathederschmuck, jeweils in den entsprechenden liturgischen Farben gehalten, wurde von Christoph Merker entworfen und von Inge Daisenberger gestickt. Die organischen Formen und fließende Farbübergänge laden zum Schauen und Meditieren ein.

Die Schöpfungskirche trägt einen wunderbaren Namen. Es mag ein Wiederspruch sein, so etwas Großes wie die Schöpfung mit dieser eher kleinen Kirche in Verbindung zu bringen. Aber mit dem vielen Holz und der offenen Gestaltung vermittelt sie ein Gefühl der Geborgenheit und steht so für die Geborgenheit des Menschen in Gottes Schöpfung. An dem Begriff "Schöpfung" hat sich Christoph Merker bei seinen Entwürfen für die Paramente orientiert. Paramente sind die für den Schmuck und die Bekleidung des Altars und anderer kultischer Einrichtungsgegenstände benötigten Textilien. In Bischofswiesen ist es der Katheder, der besonders ausgeschmückt wird. Zusammengesetzt aus organisch-floralen Elementen, formt sich ein Bild, das den Gedanken der liturgischen Farben aufgreift. Im Mittelpunkt steht bei jedem Parament das Kreuz. Je nach liturgischer Farbe erhält es eine andere Betonung. Denn die vier liturgischen Farben werden den einzelnen Zeiten und Feste des Kirchenjahrs zugeordnet. So ist Weiß die Farbe der Freude, des Festes und der Reinheit. Ein Kreuz erhebt sich aus einer Schale, die an ein Taufbecken erinnert, denn weiß ist die Farbe der Taufgewänder, des "neuen Lebens in Christus". Das rote Parament ist sehr festlich gehalten, denn es hängt an allen Festen der Kirche an dem Katheder. Violett, eine Mischfarbe, symbolisiert den Übergang vom alten zum neuen Leben. Sie ist den Bußzeiten, die auf die großen Heilsereignisse vorbereiten, zugeordnet. Abendmahlskelch und Hostie sind verbunden durch ein Kreuz, in dem der Farbübergang jene Übergangszeit symbolisiert. Grün ist die Farbe des Lebens und des Wachstums. Sie ist allen übrigen Sonntagen des Kirchenjahrs zugeordnet. Schöpfung und Werden sind auf lebendige Weise in dem Parament dargestellt.
In aufwändigster Weise wurden die Entwürfe von Inge Daisenberger umgesetzt. In unzähligen Stunden hat sie die einzelnen Blattformen aufgestickt. Einige 10000 Stiche waren nötig, um die feinen Farbübergänge so fließend hinzubekommen. Bis zu drei verschiedenen Farben hat Frau Daisenberger ineinandergestickt, um die Farbverläufe zu erzielen. Danach wurden die Paramente von Barbara Wenig zusammengenäht.
Vergangenen Samstag wurden in einem feierlichen Gottesdienst die Paramente von Pfarrer Walter Stoffel in Dienst genommen. "Wir Evangelischen haben kein Weihrauch und kein Weihwasser, wie unsere katholischen Mitbrüder und Mitschwestern, um solche Dinge einzuweihen. Wir halten es mit Martin Luther, der sagte, dass der Gebrauch die Dinge weiht", erklärte Pfarrer Stoffel. "Unsere Paramente sind, wie jeder kultische Gegenstand, immer Ausdruck für das liturgische Handeln mit Hilfe seiner Gebärdensprache, seiner symbolischen Gestaltung. Hier kommt zusammen, was mit Worten allein nicht auszudrücken ist. Ich freue mich, dass unsere Paramente eine Predigt eigener Art sind."
Entstanden sind sie unter der Federführung des Evangelischen Kirchenvereins Bischofswiesen. Dessen Vorsitzender, Klaus Gerlach, dankte den Spendern, die den neuen Schmuck am Katheder ermöglicht hatten. Er freute sich, dass dieses die Sinne anregende Element die Schöpfungskirche nun bereichert. Ganz besonders bedankte er sich bei den drei "Schöpfern", die anschließend bei einem kleinen Empfang ihr gemeinsames Werk erläuterten. Noch zwei Wochen lang sind alle vier Paramente in der Kirche ausgestellt.

CGM